Kontaktsperre durchhalten: 7 Tipps für den Moment davor
Kontaktsperre durchhalten klingt nach Disziplin. Nach Zähne zusammenbeißen und Tage abhaken. Nur läuft es meistens anders. Der schwerste Moment ist selten der erste Tag. Es ist dieser eine Moment, nachts oder mitten im Supermarkt, in dem das Handy schon in der Hand liegt und dein Daumen auf seinem Namen.
In meinen Beratungen höre ich genau diese Szene immer wieder. Deshalb sind die sieben Tipps hier nicht für die ganze Kontaktsperre gedacht. Sie sind für die zwei Minuten, in denen sich entscheidet, ob du schreibst.
Warum der Impuls so stark ist
Kurz vorab, denn das hilft dir, dich nicht schwach zu fühlen. Ein Mensch, der dir nah war, wird für dein Gehirn zur Gewohnheit. Fällt er weg, meldet sich etwas, das einem Entzug ähnelt. Unruhe, kreisende Gedanken, ein Ziehen im Körper.
Ihm zu schreiben ist der schnellste Weg zurück in das Gefühl von vorher. Darum zieht es so.
Das ist kein Charakterfehler. In dir arbeitet etwas, das viel älter ist als dein Vorsatz. Wegreden lässt es sich nicht. Überbrücken schon, und darum geht es hier.
Was in den ersten drei Tagen anders ist
Die ersten Tage fühlen sich oft überraschend ruhig an. Viele erschrecken darüber. Du funktionierst, du arbeitest, du erzählst sogar jemandem davon, ohne zu weinen.
Das heißt nicht, dass es dir egal ist. Dein Kopf lässt am Anfang nur so viel rein, wie du gerade tragen kannst. Wenn das nachlässt, meistens nach ein paar Tagen, kommt der Rest.
Verlass dich also nicht auf die ruhigen Tage. Bau dir deine zwei, drei Tipps genau dann zurecht, wenn es dir gut geht. Um halb zwei nachts fällt dir nichts mehr ein.
Kontaktsperre durchhalten: sieben Tipps für den Moment davor
Such dir zwei oder drei aus, die zu dir passen. Alle sieben gleichzeitig braucht keine.
1. Die Zwei-Minuten-Regel
Leg das Handy hin und stell einen Timer auf zwei Minuten. In dieser Zeit musst du nichts entscheiden und nichts beweisen.
Ein akuter Impuls hat einen Höhepunkt und fällt danach ab. Mit zwei Minuten dazwischen entscheidest du nicht mehr auf dem Höhepunkt. Oft ist der Drang danach schon kleiner. Wenn zwei Minuten zu lang wirken, zähl bis dreißig. Auch das zählt.
2. Schreiben statt senden
Schreib alles auf, was du ihm gerade sagen willst. Auch das Unfaire. Nur tipp es in eine Notiz und nicht in den Chat.
Die Entlastung kommt beim Formulieren. Das klingt zu einfach und hilft trotzdem erstaunlich oft. Schreib ein Datum darüber. In zwei Wochen liest du es wieder und siehst, wo du inzwischen stehst.
3. Den Weg zum Handy verlängern
Leg das Handy in ein anderes Zimmer, in eine Schublade oder wenigstens in die andere Hand. Das klingt banal.
Der Griff zum Handy passiert ohne Nachdenken. Jeder kleine Umweg zwingt eine bewusste Entscheidung dazwischen. Und bewusst entscheidest du anders als automatisch.
4. Eine andere Person statt ihn
Dein Wunsch ist berechtigt. Du willst gehört werden. Das muss nur nicht bei ihm landen.
Such dir an einem ruhigen Tag zwei oder drei Menschen aus, die du in diesem Moment anschreiben kannst. Vorher, nicht mittendrin. Wenn du gerade niemanden hast, den du nicht schon dreimal damit belastet hast, ist das normal. Dann brauchst du eine zweite Reihe.
5. Die Drei-Fragen-Pause
Bevor du etwas abschickst, stell dir drei Fragen. Schreibe ich das für mich oder für ihn? Wovor habe ich Angst, wenn ich es nicht schreibe? Würde ich in einem Jahr noch dahinterstehen?
Die Fragen sollen dich nicht bremsen. Sie zeigen dir, woher der Impuls kommt. Manchmal lautet die Antwort, dass du ihm wirklich etwas sagen willst. Dann sag es.
6. Den Körper vor dem Kopf beruhigen
Zwanzig Kniebeugen, kaltes Wasser über die Unterarme, ein zügiger Gang um den Block. Nichts davon löst das Problem. Darum geht es auch nicht.
Der Körper kommt schneller zur Ruhe als der Kopf. Wenn du gegen die Gedanken anargumentierst, verlierst du meistens. Fängst du beim Körper an, werden die Gedanken oft von selbst leiser.
7. Den Moment aufschreiben, nicht nur überstehen
Notier dir nach jedem überstandenen Moment zwei Dinge. Wie stark war der Drang, von eins bis zehn? Und was hast du stattdessen getan?
Nach zwei Wochen siehst du etwas, das du sonst nie sehen würdest. Nämlich wie oft du diesen Moment schon geschafft hast.
Was nicht hilft
Drei Dinge werden oft empfohlen und machen es meistens schlimmer.
- Sein Profil nur kurz anschauen. Es beruhigt dich dreißig Sekunden und kostet dich den restlichen Abend.
- Die Tage zählen. Ein Kalender mit abgehakten Tagen macht aus der Sperre eine Prüfung. Dann kannst du jeden Abend durchfallen. Das brauchst du gerade nicht.
- Dir vornehmen, nicht mehr an ihn zu denken. Das klappt bei niemandem. Denken darfst du, was du willst. Es geht nur darum, was du tust.
Wenn ihr euch nicht aus dem Weg gehen könnt
Bei gemeinsamen Kindern, einer gemeinsamen Wohnung oder demselben Arbeitsplatz geht Funkstille nicht. Dann geht es um weniger Kontakt, nicht um gar keinen.
Vielen hilft das: nur schriftlich, nur sachlich, zu festen Zeiten, ein Thema pro Nachricht. Keine Fragen, die über die Sache hinausgehen.
Leg dir außerdem einen Satz zurecht für den Fall, dass er persönlich wird. Zum Beispiel: Das klären wir gerade nicht. Der Satz ist nicht zum Höflichsein da, sondern damit du nicht jedes Mal neu überlegen musst. Mit Kindern hilft eine feste Uhrzeit für die Übergabe und danach zehn Minuten nur für dich.
Wenn du selbst Schluss gemacht hast
Darüber steht kaum etwas, und es betrifft viele. Wenn du gegangen bist, gibt es keine geschlossene Tür. Es gibt nur deine Entscheidung, und die triffst du jeden Abend neu. Das ist anstrengender, als es von außen aussieht.
Dazu kommt das Gefühl, dich nicht beklagen zu dürfen. Du wolltest es ja so. Oft hörst du das auch von anderen, meistens nett gemeint.
Trauer hängt aber nicht daran, wer gegangen ist. Du kannst sicher sein, dass es richtig war, und trotzdem lange weinen. Beides gehört zusammen.
Häufige Fragen
Wie lange muss eine Kontaktsperre dauern?
Es gibt keine Zahl, die für alle stimmt. Hilfreicher ist eine andere Frage. Gab es schon einen Tag, an dem er nicht dein erster Gedanke war?
Ich habe es nicht durchgehalten und geschrieben. Und jetzt?
Dann fängst du nicht bei null an. Du weißt jetzt, in welcher Situation es dich erwischt hat. Schreib auf, was kurz vorher passiert ist, und bau um genau diese Situation einen der sieben Tipps.
Was, wenn er schreibt?
Dann musst du nicht sofort antworten. Eine Nacht darüber zu schlafen ist kein Trick. Du bist am nächsten Morgen einfach klarer.
Ist Kontaktsperre nicht ein Trick, damit er sich meldet?
So wird sie oft verkauft, und deshalb fühlt sie sich für viele falsch an. Wenn du jeden Tag prüfst, ob er reagiert, ist es keine Sperre, sondern eine Wette. Hier geht es um etwas anderes. Du sollst dich in dieser Zeit nicht auch noch selbst verlieren.
Muss ich ihm sagen, dass ich Kontaktsperre mache?
Ein Satz reicht, wenn du das Bedürfnis hast. Du meldest dich eine Weile nicht, und das hat nichts mit ihm zu tun, sondern damit, dass du wieder klar werden willst. Danach erklärst du nichts mehr. Wer sich lange rechtfertigt, macht die Tür meistens wieder auf.
Und wenn wir gemeinsame Freunde haben?
Sag einmal klar, dass du nichts über ihn hören möchtest. Die meisten halten sich daran, wenn du es aussprichst. Du musst niemanden aus deinem Leben streichen, nur weil er auch ihn kennt.
Wenn es mehr wird als Liebeskummer
Wenn du über Wochen kaum schläfst oder isst, deinen Alltag nicht mehr schaffst, dich ganz zurückziehst oder Gedanken auftauchen, dass es besser wäre, nicht mehr da zu sein, dann hol dir Unterstützung. Erste Wege sind deine Hausarztpraxis, eine psychotherapeutische Sprechstunde und die Beratungsstellen in deiner Stadt.
Einen Termin in einer psychotherapeutischen Sprechstunde vermittelt dir die Terminservicestelle unter 116117. Du darfst dort anrufen, auch wenn du denkst, dein Grund sei nicht schlimm genug.
Wenn du wissen willst, was in der Funkstille bei ihm los ist
Manchmal ist es nicht der Drang zu schreiben, der dich quält, sondern die Frage, was bei ihm gerade passiert. Ich habe dafür eine Lenormand-Legung, die dir Orientierung gibt, wie es in dieser Zeit auf seiner Seite aussieht. Sie ersetzt keine Antwort von ihm, kann dir aber etwas Ruhe geben. Hier findest du die Lenormand-Legung zur Funkstille: Was passiert gerade bei ihm.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Begleitung.
